Ich bin auf dem Weg, in die schönen vier Wände von Meron und ihrer Familie, denn ich habe eine ganz liebe Einladung von ihr erhalten. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich natürlich noch nicht, wer mich erwartet und mit wie viel Liebe (und Küssen!) ich sowohl empfangen & verabschiedet werde. Ich bin, sehr gespannt, was ich heute alles erfahren werde, denn Meron wurde in jungen Jahren aus einem äthiopischen Kinderheim in eine deutsche Familie adoptiert und diese Sichtweise konnte ich bisher noch nicht festhalten. 

 

Name: Meron

Alter: 32 Jahre
Beruf: Mama (3 Kinder) / Stylistin (Setstylistin, Haare & Make Up)
Herkunft: Äthiopien, Afrika / Flensburg, Deutschland

 

 

Bist du Berlinerin?

Nein, ich wurde mit 5 Jahren aus Äthiopien in den Norden Deutschlands adoptiert – nach Flensburg. Dort ging ich eine Weile in den Waldorf Kindergarten und bin dann schon bald eingeschult worden. Wir sind ein paar Mal umgezogen, unter anderem nach Nordrhein Westfalen, später irgendwann wieder zurück in den Norden. Mit 17 Jahren zog ich von zu Hause aus und lebte in Flensburg und ein paar Jahre später zog ich nach Hamburg. Dort habe ich mit meinem Mann und unserer ersten Tochter drei Jahre gelebt und vor 5 Jahren sind wir dann nach Berlin gezogen.

 

 

 

 

Stehst du in Kontakt mit deinen biologischen Eltern?

Nein, gar nicht! In der Zeit, in der ich geboren wurde, war es nicht üblich Daten der Eltern irgendwo aufzuschreiben. Da ich in ein Heim gekommen bin, ging man davon aus (so wurde es mir erzählt), dass sie nicht mehr lebten. Es ist dort auch heute noch so, wenn keine weiteren Familienmitglieder da sind, die sich um das Kind kümmern könnten, das Kind ins Heim geht.

 

Erinnerst du dich noch an die Zeit in Äthiopien?

Ja! Ich habe frühste Kindheitserinnerungen, unter anderem an ein Haus mit einer farbigen Frau und Kindern. Ich weiß aber nicht, ob es meine Mutter war und die beiden anderen Kinder meine Geschwister. An die Zeit im Heim habe ich keine schönen, aber auch nur wenige Erinnerungen. Als meine erste Tochter in das Alter kam, in dem ich war, als ich in dem Heim lebte und vor allem als ich adoptiert wurde, ging es eigentlich erst richtig los, dass ich anfing darüber nachzudenken, wie krass das alles für mich gewesen sein muss. Erst da fing ich an zu begreifen, was es eigentlich bedeutet haben muss, in dem Alter adoptiert zu werden, was eine Adoption an sich bedeutet, vor allem im Hinblick auf die Eltern-Kind-Bindung.

 

Du sagtest, dass es für dich ganz lange überhaupt keine Rolle gespielt hat, wie du aussiehst und woher du kommst, wie hat dich das begleitet bis heute?

Das Farbigsein war schon immer ein Thema für mich! Allein dadurch, dass wir in dem Ort, wo ich aufwuchs, eigentlich die einzigen Farbigen waren (mit wir meine ich meine Geschwister und mich). Meine Eltern haben noch drei weitere Kinder adoptiert – noch zweimal aus Äthiopien und einmal aus Sri Lanka. Ich glaube, ich habe nie so viele negative Erfahrungen machen müssen, wie meine Geschwister. Natürlich habe ich hier und da mal doofe Sprüche gehört oder dumme Blicke mitbekommen, aber ich war diesbezüglich hart im Nehmen… irgendwie hat es mich nicht verletzt.

Ich habe auch viel später erst gemerkt, dass dieser Unterschied zwischen Schwarz und Weiß in den Köpfen der Menschen ist. Man sieht immer wieder, dass bei vielen Menschen der Kopf anfängt, zu arbeiten und dieses Kategorisieren beginnt. Nicht bei allen, aber vielen! Ich habe früh angefangen mich ganz bewusst nicht in diese Ecke der ‘Afrikanerin in Deutschland’ stellen zu lassen, ohne das es eine große Sache für mich war. Das war und ist mehr ein unterbewusstes Gefühl. Auch heute lehne ich alles, was in diese Richtung geht kategorisch ab. Ich sehe mich selber als ‘das Gleiche’ wie meine Mitmenschen und das war auch früher schon so. Ich glaube, sowas strahlt man dann als farbiger Mensch auch aus.

Mich amüsiert es, wenn ich auf Englisch angesprochen werde, weil mein Gegenüber ungefragt davon ausgeht, dass ich kein Deutsch verstehe. Oh, da gibt es so viele dieser und ähnlicher Beispiele! Mittlerweile antworte ich auf: „Oh, Sie sprechen aber gut Deutsch!“, mit: „Vielen Dank, Sie aber auch!“ Nur das In-die-Haare-Greifen finde ich nach wie vor lästig. Die Fragen nach meiner Herkunft usw. umging ich lange, in dem ich kurz und knapp antwortete, da ich mir über viele Dinge, im Bezug auf meine Herkunft, lange keine Gedanken gemacht habe … Ganz anders als meine Geschwister, die es viel früher beschäftigt hat, wieso und warum und wie genau alles zustande kam, bezüglich der Adoption und vor allem die Hintergründe. Bei mir begann all das erst in den Zwanzigern. Vielleicht lag es an meinem Alter, in dem ich war, als ich nach Deutschland kam. Meine Geschwister waren fast alle noch Babys und konnten sich natürlich an nichts und niemanden erinnern. Möglicherweise hatte es damit zu tun, dass für mich irgendwie alles ganz klar war, was geschehen war, bevor ich zu meinen Eltern nach Deutschland kam, denn ich konnte mich ja lange an fast alles erinnern. Meine Eltern haben mit jedem von uns immer ganz offen und ehrlich über alles gesprochen und uns unsere Geschichten erklärt, wenn gefragt wurde, aber ich hatte nie viele Fragen.

 

 

 

 

Was hat dich dazu gebracht, mehr in das Thema deiner eigenen (kulturellen) Identität einzutauchen?

Mir ist die Tragweite dann erst wirklich bewusst geworden (das hört sich vielleicht schlimmer an, als ich es meine) … Wenn man älter wird, fängt es irgendwann an, eine ganz andere Rolle zu spielen, was es bedeutet Familie zu haben, eigene Kinder zu haben, als Familie zusammenleben zu dürfen und noch so viel mehr. Die negative Seite als Mama ist, dass man sein Herz, ab dem Zeitpunkt des Mamawerdens, außerhalb des Körpers trägt. Die bloße Vorstellung das eigene Kind abgeben zu müssen oder nicht die Wahl zu haben, das eigene Kind in Sicherheit aufwachsen lassen zu können, das hat mich sehr beschäftigt. Und damit ging es los!

 

War das belastend für dich?

Ja! Ich habe dies und auch das Hinterfragen und das Beleuchten meines Verhältnisses zu meinen Eltern gleichzeitig durchgemacht. Leider hatte ich nie und habe auch heute noch kein gutes Verhältnis zu ihnen. Ich glaube aber, dass diese Sache nicht nur ausschließlich mit meiner persönlichen Geschichte zu tun hat. Viel mehr glaube ich, dass der Prozess des Erwachsenwerdens und besonders des Elternwerdens an sich, uns alle irgendwann sehr beschäftigt. Da werden Dinge zum Thema, wie die eigene Position im Leben, die Position der Eltern, man wird sich bewusst darüber, wo und wie man dazu steht, wie weit man selbst und die Eltern (das Elternhaus) einen Einfluss darauf hatten. Heute weiß ich, dass man nicht für alles den Eltern die Schuld geben kann und darf. Aber ich finde auch, dass es kein ungeschriebenes Gesetz geben sollte, dass einen daran hindert, die eigene Kindheit und das Elternhaus ehrlich zu beleuchten, nur weil man zu einem Punkt gelangen könnte, an dem es für alle Beteiligten unangenehm wird. Im Endeffekt geht es ja meistens darum, zu einem besseren und schöneren Verhältnis zu gelangen. Aufarbeitung ist daher meiner Meinung nach unumgänglich und so wichtig. Ja, dieser Prozess war nicht leicht! Es geschieht irgendwie in Intervallen – die Mitte des Prozesses ist ganz bewusst und eigentlich am Schlimmsten und gegen Ende wird es alles ruhiger und da befinde ich mich gerade. Irgendwann gab es da diesen Vorhang, der sich lichtete und Klarheit brachte und gleichzeitig aber auch ganz viele Fragen. Jetzt mit 32 Jahren empfinde ich viele Fragen als beantwortet, viele auch nicht, aber das Verständnis erlangt zu haben, dass man nicht alles beantworten kann und muss und gleichzeitig aber seinen Frieden damit schließen kann, dafür bin ich dankbar. An diesem Punkt bin ich gerade angekommen.

 

Hat es bei dir einen bestimmten Grund, dass du das Wort farbig benutzt? Das frage ich ohne Bewertung!
Diese Frage kommt aus reiner Neugier, da es jeder für sich doch verschieden festlegt.

Ich benutze die Worte farbig, schwarz, dunkelhäutig, Mischling immer spontan und durcheinander, ohne drüber nachzudenken. Ich bin damit ganz entspannt! Für mich ist keiner dieser Begriffe eine Beleidigung, war es noch nie! Für mich ist es ein Mensch mit weißer/heller oder schwarzer/dunkler Haut. Dazwischen sind wir alle gleich – Menschen aus Fleisch und Blut und Seele. Ohne Unterschiede. Was ich aber ganz schlimm finde, sind Bezeichnungen, wie ‘Schoki’ oder ‘Schoko’. Und natürlich ‘Neger’. Ich gehe mal stark davon aus, dass niemand der intelligent ist, heutzutage noch diese Bezeichnung für einen dunkelhäutigen Menschen benutzt. 

 

Welche Rolle hat deine Herkunft jetzt speziell in den letzten Jahren (seitdem du dich bewusster damit auseinandergesetzt hast) für dich gespielt bzw. welchen Platz hat sie eingenommen?

Ich habe früher immer etwas zurückhaltend und vielleicht verhalten reagiert, wenn es zum Thema wurde. Als farbiger Mensch begegnet man, hier in Deutschland, vielen Menschen, die sich dazu berufen fühlen, gleich nach dem ersten Hallo, die intimsten Fragen nach Herkunft, Familie usw. zu stellen. Du kennst es ja bestimmt selbst! Es gibt immer jemanden, der fragt, woher man kommt oder jemand, der deine Haare anfassen will. Mir war es unangenehm ständig im Mittelpunkt eines Gesprächs zu stehen. Ist es auch heute noch! Denn es ist für mich nach wie vor befremdlich, jemandem solche Fragen zu stellen, wenn ich denjenigen nicht kenne. Das ist manchmal sehr anstrengend, aber ich bin da mittlerweile entspannter und offener geworden. Ich glaube, das hat auch viel damit zu tun, dass ich mehr Selbstsicherheit im Bezug auf meine Herkunft/Geschichte entwickelt habe. Und wiederum hat es wahrscheinlich so lange gedauert, da ich überwiegend immer die einzige Farbige im Freundes- und Bekanntenkreis war und übrigens auch heute noch bin, was ich irgendwie schade finde. So konnte ich mich irgendwie nie austauschen und habe es halt so hingenommen. 

 

 

meron3_photo_by_dominique_booker

 

 

Gab es oder gibt es da eine Suche nach deinen Wurzeln?

Ja, schon! Ich habe irgendwann damit begonnen mehr über äthiopische Frauen herauszufinden. Im Nachhinein weiß ich, dass ich damit begonnen habe, um mir über mein Aussehen, aber auch meine Eigenschaften klarer zu werden. 2010 war ich das erste Mal mit meinen Eltern und einem meiner Brüder wieder in Äthiopien. Diese Reise war sehr wichtig und aufschlussreich für mich, besonders um emotional ganz viele Dinge aufzuarbeiten. Ich habe das aber lieber mit mir selber geklärt. Über all diese Emotionen war ich mir vorher gar nicht so bewusst. Meine Eltern haben uns zu dieser wundervollen Reise eingeladen und ich habe dem freudig zugestimmt, als würden wir irgendwohin in den Urlaub fliegen. 3 Tage vor Abflug habe ich dann tatsächlich etwas Angst bekommen … Als wir dann dort waren, haben wir auch gemeinsam das Kinderheim besucht, in dem ich gelebt habe. Das war sehr emotional und wichtig für mich. Irgendwann würde ich diese Reise gern noch mal mit meinen Kindern machen und ich weiß jetzt schon, dass es ganz anders sein wird. Dann würde ich vorab mehr planen und recherchieren. Viele Adoptivkinder machen das viel früher und ich fange jetzt erst damit an überhaupt auch den Wunsch zu verspüren, dass, wenn ich ein weiteres Mal in Addis Abeba bin, ich auch meine Papiere mitnehmen möchte und ein mehr Fragen stellen würde.

 

Wie hat dich das Ganze in deiner Rolle als Frau begleitet? Alle Mädchen kommen ja irgendwann an den Punkt, an dem sie beginnen sich mit anderen zu vergleichen, wie war das bei dir? 

Als junges Mädchen habe ich nie wirklich die Möglichkeit verspürt das so richtig zuzulassen. Ich bin aufgewachsen ohne jeglichen Kontakt zu anderen farbigen Frauen und Mädchen. Wir haben als Adoptivfamilie ab und zu andere Adoptivfamilien getroffen, da war ich aber noch viel zu jung. Zu meiner Adoptivmutter hatte ich so ziemlich von Beginn an, nie ein wirklich gutes Verhältnis. Somit kam ich gar nicht auf die Idee, mich ihr diesbezüglich in meiner Pubertät anzuvertrauen. Es gab keinen Nährboden, den ich dafür aber gebraucht hätte. Deshalb habe ich, so gut es ging, alles verdrängt und mir eingeredet, dass es für mich kein Thema ist ständig und überall die Einzige zu sein, mit ner dunklen Hautfarbe und nem Afro. Ich war früher insgeheim oft wütend darüber, das bin ich heute nicht mehr. Ich weiß heute, dass meine Mutter ihr Bestes gegeben hat, aber das hat für das, was ich gebraucht hätte, eben leider nicht ausgereicht. Ich glaube, deshalb haben viele Dinge bei mir erst spät angefangen. Als ich damals zum Beispiel auszog, und irgendwann erfuhr wie man am besten Krause Haare pflegt, fing ich an, meine Haare nicht mehr unbedingt glättet zu wollen, sondern sie so gern so zu tragen, wie sie nunmal sind, lockig und wild. Weil ich ab da endlich meine Haare nicht mehr bürstete. Das sind solche Kleinigkeiten, aber Haare spielen bei einer farbigen Frau nunmal eine große Rolle. 

 

Hast du sie früher immer geschlossen getragen?

Ja und oft richtig kurz! Das fand ich nicht schön, aber sie waren sehr anstrengend für meine Mama und das kann ich verstehen, denn sie hatte ja keine Ahnung davon. Früher sah ich oft aus, wie einer von den Jackson 5, weil meine Haare immer ausgekämmt waren. 

 

Mit welchen Frauen hast du dich denn dann identifiziert?

Irgendwie schon eher immer nach hellhäutigen Mädchen und Frauen aus meiner Adoptivfamilie und deren Freundeskreis. Als Jugendliche hat mich, wenn ich im Fernsehen auf MTV farbige Frauen gesehen habe, unter anderem diese Ghettosprache und das Verhalten der dunkelhäutigen Menschen dort total verschreckt. Ich wollte immer auf gar keinen Fall damit im Zusammenhang gebracht werden. Das war sehr abschreckend für mich und ich konnte mich damit nicht identifizieren. Obwohl es mich nicht betraff, war es für mich auch teilweise irgendwie beschämend, weil ich ja farbig war und immer die Vermutung hatte, dass es auch auf mich zurückfallen könnte. Verrückt! 

 

 

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Gab es denn mal eine Zeit, in der du dich nicht wohl gefühlt hast, in deiner Haut?

:) Du meinst außer wenn ich vor den MTV Videos saß? Ich habe immer gemerkt, das etwas anders ist, etwas das nicht greifbar ist – das ist heute auch noch so. In dem Moment, in dem ich mit anderen farbigen Frauen zusammen bin, gibt es mir ein anderes Gefühl der Dazugehörigkeit. Irgendwie schwierig es zu beschreiben … Das hatte ich früher gar nicht so auf dem Schirm. Jeder farbige Mensch in Deutschland trägt ein Päckchen, weil wir in der Minderheit sind (für mich persönlich ist das auch vollkommen okay). Dieses Päckchen verschwindet aber für einen Moment, wenn ich von farbigen Frauen umgeben bin. Das bedeutet nicht, dass es ein Päckchen ist, das mich nicht glücklich leben lässt, belastet oder mit dem ich nicht leben kann, aber es ist halt da. Und dieses Päckchen, das farbige Menschen in Deutschland tragen ist, glaube ich, besonders auch hellhäutigen Eltern, also meistens ja dann Adoptiveltern, von farbigen Kindern, manchmal gar nicht so bewusst. Und wenn sie damit konfrontiert werden, fassen es viele von ihnen leider als böse oder undankbar auf. 

Wir haben vor einer ganzen Weile überlegt zu adoptieren, leider scheiterte es an den Kosten von über 15.000 Euro. Das regt mich schon auf, wenn nur daran denke! Auf jeden Fall fällt mir dazu eine Situation ein, die ich als sehr prägend in Erinnerung habe: Wenn man von Deutschland aus adoptieren möchte, muss man immer den zuständigen Verein des Landes, aus dem man adoptieren möchte, aufsuchen. Wir haben damals in Düsseldorf an einem Seminar für werdende Adoptiveltern teilgenommen. In dem Seminar gab es noch eine weitere farbige Frau, sie war dort, genau wie ich, mit ihrem hellhäutigen Mann. Diese Frau fragte: „Wie wäre es denn, wenn ich ein Kind aus Deutschland adoptieren wollen würde? Wäre das für das hellhäutige Kind ein Problem, dass ich eine dunkelhäutige Frau bin? Gibt es Erfahrungen damit?“ So eine einfache Frage, aber so enorm tiefgründig, emphatisch und wichtig! Ich hoffe, dass ganz viele Adoptiveltern sich trauen, genau diese Frage zu stellen und sich damit zu beschäftigen, dass es eben sein kann, dass es für das farbige Kind einen Zeitpunkt geben wird, an dem seine Herkunft mit der  Kultur, in der es jetzt lebt, kollidiert. Dass es sein kann, dass für die Entwicklung des Adoptivkindes, bestimmte Dinge aus der Kultur des Geburtslandes eine wichtige Rolle spielen. Nicht weil es schlimm ist oder ein Leben lang innerhalb der Familie eine tragende Rolle spielen soll, sondern, weil all das eben nicht sooo selbstverständlich ist. Und auch, weil dieses Thema im Alltag des Kindes ganz oft eine Rolle spielen wird, die immer wieder an das Kind herangetragen wird, weil es als dunkelhäutiger Mensch in Deutschland, einfach ganz oft in der Minderheit sein wird. Und somit für viele seiner Mitmenschen ‘etwas Besonderes’, ‘Anderes’ sein wird. Ich finde es gar nicht schlimm das mal anzusprechen, denn das bleibt ja ein Leben lang so! Und viele hellhäutige Menschen sind sich darüber nicht bewusst, was es bedeutet farbig zu sein und in einem Umfeld aufzuwachsen, in dem es nur Weiße gibt. Ich finde es wichtig, ohne anzuklagen, dass die Sicht eines farbigen Menschen, hier in Deutschland ruhig mal von dieser Warte aus beleuchtet wird. Oft entstehen genau dadurch viele Missverständnisse, da diesbezüglich immer noch häufig die Angst besteht, über bestimmte Dinge zu sprechen. Früher oder später müssen sich ja sowieso alle aus der Familie mit diesem Thema auseinandersetzen – egal ob Mischlingskind, Adoptivkind oder wenn beide Eltern aus einem afrikanischen Land kommen. Alles hat positive und negative Seiten, deshalb liebe ich dein Projekt sehr! Und hoffe, dass ganz viele heranwachsende Menschen davon lesen und sich dadurch ein bisschen mehr abgeholt fühlen. Ich empfinde es als einen absolut positiven Aspekt, dass, wenn man als farbige Frau in Deutschland aufwächst, so früh in Berührung kommt mit all diesen Themen und mit seinem Aussehen konfrontiert wird. Man bekommt somit sehr früh die Möglichkeit ein starker und selbstbewusster Mensch zu werden.

 

 

meron_photo_by_dominique_booker

 

Vielen Dank für deine ehrlichen Worte liebste Meron!

 

Mehr von Meron und ihren wunderschönen & tollen Kindern findet ihr auf:

instagram

2 Comments

  1. Johanna
    December 16, 2016

    Hi Meron,

    gerade habe ich dein Interview hier gefunden. Toll! Ich bin auch adoptiert, aus Peru. Allerdings als Baby. Mit 5 Jahren adoptiert zu werden find ich schon, eine schwierige Erfahrung, weil man es ja bewusst miterlebt. Ich leite zusammen mit meiner Schwester einen Stammtisch in Hamburg für Auslandsadoptierte sowie einen Blog und eine Facebookgruppe. Seit zwei Jahren veranstalten wir auch 1 mal im Jahr ein großes internationales Treffen für Auslandsadoptierte in Hamburg oder Frankfurt (im Wechsel). Vielleicht hast du ja Interesse mal beim Stammtisch oder beim Treffen dabei zu sein.Wir haben immer jede Menge Spaß, unternehmen etwas gemeinsam und verbringen ein Wochenenende miteinander. Uns ist es wichtig einfach Zeit mit anderen Adoptierten zu verbringen, sich zwischendurch auszutauschen aber auch einfach gemeinsam etwas unternehmen, es ist also kein Wochenende wo es von morgens bis abends nur um das eine Thema geht. Das “große” Treffen findet im April statt. Weitere Infos dazu gibt es Ende Januar auf unserem Blog.

    Ich finde es immer spannend andere Adoptierte kennenzulernen, ich bin zwar mit meiner Schwester aufgewachsen aber sie war bis Ende 20 auch die einzige Adoptierte die ich kannte. Ich bin mit Mitte 20 auch zurück nach Peru gegangen und haben 6 Jahre dort gelebt. Ich ziehe jetzt auch wieder hin im Sommer und freue mich schon total.

    Grüße nach Berlin!

    Johanna

    Reply
    • positiv / negativ
      January 12, 2017

      Danke für deinen wichtigen Kommentar! Ich habe ihn gerade erst entdeckt, aber direkt an Meron weitergeleitet!
      Alles Gute für deinen Umzug!
      <3

      Reply

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